Energiepreise im Frühjahr 2026: Was gerade passiert, was es kostet – und was jetzt sinnvoll ist

Die Energiekosten bei Neuverträgen für Privatkunden steigen das erste Mal seit 2023 wieder erheblich an - ausgelöst durch den Krieg im Iran. Grund genug, einmal die eigenen Verträge zu checken und frühzeitig auf einen neuen Vertrag mit Preisbindung zu wechseln. - Quelle: Energiemonitor der Zeit


Vor zwei Wochen habe ich meinen eigenen Stromtarif gewechselt. Von einem dynamischen Tarif in einen festen. Ich habe das nicht getan, weil ich ein guter Prognose-Händler bin – das bin ich nicht. Sondern weil die Richtung gerade eindeutig ist, weil ich noch günstige Konditionen bekommen habe, und weil ich keinen Grund sah zu warten.

Dieser Artikel ist das, was ich mir in dieser Situation von jemandem gewünscht hätte: ein ehrlicher Überblick über das, was gerade passiert. Weiter unten finden Sie einen Rechner: Heizungsart, Baujahr und Wohnfläche eingeben – er zeigt Ihnen, was der aktuelle Preisanstieg für Ihr Haus konkret bedeutet. Ohne dass Sie Ihre Jahresabrechnung suchen müssen.

Was seit dem 28. Februar passiert ist

An diesem Tag begann der Krieg im Iran. Für Energiemärkte ist der Nahe Osten kein fernes Thema: Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft durch die Straße von Hormus, zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel. Wenn dort Unsicherheit entsteht, reagieren die Märkte nicht erst, wenn die Versorgung tatsächlich unterbrochen ist – sondern wenn das Risiko steigt, dass sie es könnte. Das Ergebnis ist an den aktuellen Preisen ablesbar.

Heizöl kostete vor dem Konflikt rund 9 Cent pro Kilowattstunde. Heute sind es 14 Cent – ein Anstieg von über 55 Prozent in fünf Wochen. Erdgas für Neuverträge ist von etwa 8,5 auf 10,8 Cent gestiegen, Strom von 25 auf 28 Cent. Beim Gas ist die Reaktion moderater, weil Deutschland inzwischen breiter aufgestellt ist: Sechs LNG-Terminals an Nord- und Ostsee ermöglichen Importe aus Norwegen, den USA und Australien. Trotzdem ist Katar ein relevanter LNG-Lieferant – und katarisches Gas muss durch die Straße von Hormus.

Was bedeutet das konkret? Für ein typisches Einfamilienhaus, das jährlich 30.000 Kilowattstunden mit Heizöl beheizt, bedeutet der aktuelle Preisanstieg rund 1.500 Euro Mehrkosten pro Jahr. Mit dem Rechner oben können Sie das für Ihren eigenen Verbrauch durchspielen – einfach die Schieberegler auf Ihre Jahreskennzahlen setzen.

Preisentwicklung seit Kriegsbeginn im Iran, 28.2.2026

Vor dem 28.2.2026 Stand 2. April 2026 esyoil · Verivox · ZEIT Energiemonitor

Was das für Ihr Haus bedeutet

🛢️ Heizöl 9 → 14 ct/kWh
🔥 Erdgas 8,5 → 10,8 ct/kWh
♨️ Wärmepumpe 25 → 28 ct/kWh
Wohnfläche 140 m²
Baujahr
Vor 1919
1919–1948
1949–1968
1969–1978
1979–1994
Ab 1995
24.500 kWh
geschätzter Wärme­bedarf pro Jahr
Typischer Wert für unsanierten Altbau, 140 m²
Wärmepumpen-Vorteil: Ihre Anlage erzeugt aus 1 kWh Strom rund 3,7 kWh Wärme (JAZ 3,7). Damit liegt Ihr tatsächlicher Stromverbrauch bei ca. kWh/Jahr – und Sie sind deutlich weniger von steigenden Energiepreisen betroffen als Öl- oder Gasheizungen.
Heizkosten vorher
pro Jahr
Heizkosten jetzt
pro Jahr
Mehrkosten durch den Preisanstieg

Richtwerte auf Basis typischer Verbräuche nach Baujahresklasse (EnEV/GEG-Kennwerte). Ihr tatsächlicher Wert kann je nach Dämmstandard, Nutzungsverhalten und Lage abweichen. Preisbasis: Tagespreise esyoil.com und Verivox-Durchschnitt für Neuverträge, 2. April 2026. Wärmepumpe: Annahme JAZ 3,7.

Wie lange bleibt das so – und was, wenn ich falsch liege?

Die ehrliche Antwort: Ich weiß es nicht. Niemand weiß es.

Wenn der Konflikt de-eskaliert, wenn diplomatische Lösungen greifen, wenn die Straße von Hormus wieder als sicher gilt – dann werden die Risikoprämien aus den Preisen herausgehen. Heizöl und Gas könnten in einigen Wochen wieder billiger sein als heute.

Das ist keine hypothetische Möglichkeit, das ist ein reales Szenario. Wer jetzt in einen festen Tarif wechselt und die Preise danach sinken, hat im Vergleich zum günstigsten Moment zu teuer eingekauft. Das kann passieren.

Warum ich trotzdem gehandelt habe: Die Asymmetrie der Risiken. Wenn ich falsch liege und die Preise sinken, verliere ich ein paar Cent pro Kilowattstunde für die Laufzeit des Vertrags. Wenn ich recht habe und die Preise weiter steigen, ist der jetzt gesicherte Preis bald ein guter Preis. Und unabhängig davon: Wer noch in der Grundversorgung ist, zahlt in der Regel zu viel – nicht wegen des Konflikts, sondern strukturell. Ein Wechsel ergibt dort fast immer Sinn.

Was ich mit Sicherheit nicht tue: Mir einreden, dass ich die Marktentwicklung überblicke. Das ist Aufgabe für Profis mit Modellen, nicht für Hauseigentümer mit einem Jahresverbrauch.

Was jetzt konkret zu tun ist

Tarife prüfen – Strom und Gas

Das ist der unkomplizierteste Schritt, und er dauert zehn Minuten. Check24 und Verivox bilden den Markt gut ab. Worauf es ankommt:

Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten wählen. Das sichert den aktuellen Preis für diese Zeit – egal was danach passiert. Laufzeiten nicht zu lang wählen, zwölf Monate sind gut, 24 sind grenzwertig, danach verliert man zu viel Flexibilität. Bonuszahlungen kritisch betrachten: Der monatliche Grundpreis über die gesamte Laufzeit zählt mehr als ein einmaliger Wechselbonus. Wer einen dynamischen Tarif hat, sollte jetzt besonders genau abwägen – dynamische Tarife geben die Börsenschwankungen direkt weiter.

Heizöl – nicht in Panik kaufen

Heizöl ist das Einzige, wo ein echter Handlungsdruck entstehen kann, wenn der Tank leer wird. Aber Panik ist ein schlechter Einkäufer. Was stattdessen hilft: Tagespreise beobachten, esyoil.com oder heizoel24.de zeigen das übersichtlich und kostenlos. Preise schwanken auch in Krisenzeiten täglich um mehrere Cent. Wer Zeit hat, wartet auf einen Rücksetzer. Wer keinen Puffer mehr hat, bestellt jetzt, aber in Mengen, die handhabbar bleiben – lieber zwei Teilbestellungen als eine Vollbefüllung zum ungünstigsten Moment.

Sammelbestellungen mit Nachbarn oder Bekannten lohnen sich fast immer: Ab 6.000 bis 8.000 Litern gemeinsamer Bestellmenge sinkt der Literpreis spürbar, oft um drei bis fünf Cent.

Wer Spielraum hat: Verbrauch kurzfristig senken

Das klingt trivial, ist aber wirklich effektiv. Raumtemperatur um ein Grad absenken spart rund sechs Prozent Heizenergie. Hydraulischer Abgleich, falls noch nicht gemacht, verhindert, dass einzelne Heizkörper überversorgt werden und andere kalt bleiben. Thermostatventile, die über Nacht oder bei Abwesenheit absenken, kosten wenig und sparen verlässlich. Diese Maßnahmen wirken sofort und unabhängig davon, ob die Preise morgen steigen oder fallen.

Was das mit dem Altbau zu tun hat

Hier wird es grundsätzlicher. Jeder dieser Konflikte zeigt dasselbe Muster: Wer fossil heizt, ist den Weltmärkten ausgeliefert. Nicht abstrakt, sondern als konkreter Betrag auf der nächsten Abrechnung. Das ist kein Argument dafür, jetzt überstürzte Sanierungsentscheidungen zu treffen – das wäre das Falscheste, was man tun könnte. Aber es ist ein sehr ehrliches Argument dafür, beim nächsten Sanierungsschritt die Frage der fossilen Abhängigkeit mit zu stellen.

Für heute reicht der Tarif-Check.

Axel

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Was eine Heizung mit uns macht – und warum wir das selten fragen